Mit 16 haben wir vielleicht damit gerechnet.
Mit 38, 45 oder 52 eher nicht.
Und doch erleben viele Frauen, dass ihre Haut plötzlich wieder unreiner wird. Pickel am Kinn, entzündliche Stellen entlang der Kieferlinie, Unterlagerungen oder eine Haut, die gleichzeitig trocken und unrein erscheint.
Besonders irritierend ist das, wenn die Haut über Jahre unkompliziert war.
Die erste Reaktion lautet häufig:
Was mache ich bei meiner Hautpflege falsch?
Doch gerade bei Akne bei erwachsenen Frauen lohnt es sich weiterzudenken.
Denn Haut ist nicht nur Oberfläche.
Hormone, Stress, Stoffwechsel, Hautbarriere und genetische Faktoren können zusammenspielen. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) betrachten wir zusätzlich das individuelle Muster des gesamten Menschen.
Die Frage lautet deshalb nicht nur:
„Wie bekomme ich diese Pickel weg?“
Sondern:
„Warum verändert sich meine Haut gerade jetzt?“
Was ist Akne bei erwachsenen Frauen?
Akne kann weit über die Pubertät hinaus bestehen oder erstmals im Erwachsenenalter auftreten.
Bei Frauen zeigt sie sich häufig im unteren Gesichtsbereich – beispielsweise am Kinn, an der Kieferlinie oder im Bereich des Halses. Das Erscheinungsbild kann jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.
An der Entstehung von Akne sind unter anderem eine erhöhte Talgproduktion, Verhornungsstörungen im Bereich der Talgdrüsenfollikel, mikrobielle Prozesse und Entzündungsreaktionen beteiligt.
Hormone – insbesondere Androgene und die Empfindlichkeit der Talgdrüsen gegenüber hormonellen Signalen – können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
Bei Frauen können Hautveränderungen deshalb unter anderem in Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus oder hormonellen Veränderungen verschiedener Lebensphasen auffallen.
Und genau hier wird das Thema für Frauen ab 40 besonders interessant.
Warum kann sich die Haut in der Perimenopause verändern?
Die Perimenopause beginnt nicht erst mit dem Ausbleiben der Menstruation.
Bereits Jahre zuvor können sich die hormonellen Verhältnisse verändern.
Östrogen und Progesteron verlaufen nicht mehr so gleichmäßig wie früher. Gleichzeitig kann sich das relative Verhältnis zu androgenen Hormonen verändern.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Frau plötzlich „zu viele männliche Hormone“ besitzt.
Vielmehr verändert sich das hormonelle Zusammenspiel.
Die Haut kann darauf reagieren.
Bei manchen Frauen wird sie trockener und empfindlicher.
Bei anderen entstehen gleichzeitig Unreinheiten.
Und manche erleben genau diese scheinbar widersprüchliche Kombination:
Trockene Haut und Pickel.
Eine aggressive Anti-Akne-Pflege kann diese Haut zusätzlich überfordern.
Gerade deshalb sollte Erwachsenenakne nicht automatisch genauso behandelt werden wie die fettige Pubertätshaut einer 16-Jährigen.
Akne aus Sicht der TCM
In der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es nicht das eine TCM-Muster für Akne.
Entscheidend sind unter anderem:
* Lokalisation
* Farbe
* Entzündungsgrad
* Wärme
* Trockenheit oder Fettigkeit
* Menstruationszyklus
* Verdauung
* Schlaf
* Stress
* Ernährung
* Zungenbild
* Puls
* individuelle Konstitution
Je nach Gesamtbild können in der traditionellen Mustersprache beispielsweise Hitze, Feuchtigkeit-Hitze, Schleim, Blut-Hitze, Leber-Qi-Stagnation oder eine Schwäche der Mitte eine Rolle spielen.
Bei Frauen ab 40 können zusätzlich Veränderungen von Yin, Blut und Jing relevant werden.
Deshalb gilt auch hier:
Nicht die Akne bestimmt allein das TCM-Konzept – sondern das individuelle Muster der Frau, die diese Akne entwickelt.
Hitze – wenn Entzündung sichtbar wird
Rote, entzündete und warme Hautveränderungen können aus Sicht der TCM auf ein Hitze-Muster hinweisen.
Doch „Hitze“ ist zunächst ein traditioneller diagnostischer Begriff und nicht mit einer schulmedizinisch definierten Entzündung gleichzusetzen.
Die entscheidende Frage ist:
Woher kommt diese Hitze?
Denn auch innerhalb der TCM können unterschiedliche Mechanismen dahinterstehen.
Bei einer Frau kann beispielsweise die Verdauung beziehungsweise der Magen-Funktionskreis stärker im Vordergrund stehen.
Bei einer anderen spielen Stress, emotionale Spannung und Leber-Qi eine größere Rolle.
Bei einer dritten treffen hormonelle Veränderungen, Yin-Mangel und Wärmezeichen aufeinander.
Das sichtbare Ergebnis kann ähnlich aussehen.
Das zugrunde liegende Muster muss es nicht sein.
Feuchtigkeit-Hitze – wenn Haut und Mitte zusammengedacht werden
Bei entzündlichen Hautveränderungen kann in der chinesischen Medizin auch **Feuchtigkeit-Hitze** betrachtet werden.
Feuchtigkeit besitzt in der TCM eine schwere, stagnierende Qualität.
Sie wird unter anderem mit dem Funktionskreis Milz und damit mit der sogenannten Mitte in Verbindung gebracht.
Kommt Hitze hinzu, entsteht das traditionelle Muster Feuchtigkeit-Hitze.
Deshalb interessieren mich bei Akne nicht nur die Pickel.
Ich frage auch:
Wie funktioniert die Verdauung?
Gibt es Völlegefühl?
Wie regelmäßig wird gegessen?
Wie viel Zucker, Alkohol oder stark verarbeitete Nahrung gehört zum Alltag?
Wie fühlt sich der Körper nach einer Mahlzeit an?
Das bedeutet nicht, dass jede Akne aus dem Darm entsteht.
Aber die TCM würde Haut und Verdauung auch nicht grundsätzlich voneinander trennen.
## Akne am Kinn – sind immer die Hormone schuld?
Pickel am Kinn und entlang der Kieferlinie werden häufig sofort als „hormonelle Akne“ bezeichnet.
Die Lokalisation kann tatsächlich einen Hinweis geben – sie ersetzt jedoch keine Diagnostik.
Auch aus Sicht der TCM sollte nicht aus einer einzelnen Gesichtspartie automatisch auf ein bestimmtes Organ oder ein einziges Disharmoniemuster geschlossen werden.
Entscheidend ist das Gesamtbild.
Bei einer Frau können Hautveränderungen am Kinn deutlich zyklusabhängig auftreten.
Bei einer anderen beginnen sie mit der Perimenopause.
Bei einer dritten verschlechtern sie sich vor allem unter Stress.
Und manchmal kommen mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen.
Eine gute Diagnostik beginnt deshalb dort, wo einfache Schablonen aufhören.
Leber-Qi-Stagnation – wenn Stress und Hormone aufeinandertreffen
Der Funktionskreis Leber besitzt in der TCM eine besondere Bedeutung für den freien Fluss von Qi.
Er wird traditionell auch mit dem Menstruationszyklus und dem harmonischen Fluss von Blut in Verbindung gebracht.
Stress, dauerhafte Anspannung, Frustration oder ein Leben mit ständigem Funktionieren können aus TCM-Sicht den freien Fluss des Leber-Qi beeinträchtigen.
Es entsteht eine sogenannte Leber-Qi-Stagnation.
Hält diese länger an, kann daraus nach traditioneller Vorstellung Wärme beziehungsweise Hitze entstehen.
Gerade wenn Hautveränderungen zyklusabhängig auftreten oder sich in stressreichen Phasen verschlechtern, lohnt sich deshalb eine umfassendere Betrachtung.
Nicht im Sinne von:
„Du hast Akne, weil Du gestresst bist.“
Sondern:
„Wie beeinflusst Deine aktuelle Belastung das gesamte Regulationssystem?“
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Akne, Cortisol und das Nervensystem
Auch aus westlicher Perspektive ist die Verbindung zwischen Haut und Stress interessant.
Unsere Haut kommuniziert mit Nerven-, Immun- und Hormonsystem.
Chronischer Stress kann zahlreiche physiologische Prozesse beeinflussen. Gleichzeitig erzeugt sichtbare Akne selbst Stress.
Gerade für erwachsene Frauen kann dies emotional belastend sein.
Denn mit 45 erwartet kaum jemand, sich morgens wieder Gedanken über einen entzündeten Pickel am Kinn machen zu müssen.
Dann beginnt schnell ein Kreislauf:
Die Haut wird kontrolliert.
Noch ein Produkt wird gekauft.
Noch ein Wirkstoff ausprobiert.
Die Haut wird gereizter.
Die Aufmerksamkeit auf jede neue Unreinheit wächst.
Und aus Hautpflege wird unbemerkt Hautstress.
Manchmal braucht eine Haut deshalb nicht mehr Kontrolle.
Sie braucht eine intelligentere Strategie.
Blut und Yin – warum Akne ab 40 anders aussehen kann
Akne bei erwachsenen Frauen kann eine Besonderheit haben:
Die Haut kann gleichzeitig zu Unreinheiten und zu Trockenheit neigen.
Genau hier wird die TCM-Perspektive interessant.
Blut – Xue 血 – besitzt in der chinesischen Medizin eine nährende und befeuchtende Funktion.
Auch Yin steht unter anderem für Substanz, Kühlung, Befeuchtung und Regeneration.
Mit zunehmendem Alter und insbesondere im Übergang zu den Wechseljahren verändern sich nach traditioneller Vorstellung Yin, Blut und Nieren-Jing.
Deshalb kann eine Frau gleichzeitig Wärmezeichen und einen Mangel an nährender Substanz zeigen.
Das ist therapeutisch etwas vollkommen anderes als eine ausschließlich fettige, robuste Haut mit ausgeprägter Fülle-Hitze.
Ageless Skin braucht Differenzierung.
Nicht Standardlösungen.
Ernährung bei hormoneller Akne – bitte keine neue Verbotsliste
Wer nach Ernährung und Akne sucht, findet schnell Empfehlungen, ganze Lebensmittelgruppen zu streichen.
Zucker weg.
Milch weg.
Gluten weg.
Kaffee weg.
Alkohol weg.
Doch Ernährung sollte nicht zu einem weiteren Stressfaktor werden.
Auch die TCM arbeitet nicht idealerweise mit pauschalen Verbotslisten, sondern mit Mustern.
Bei ausgeprägter Feuchtigkeit-Hitze kann eine andere Ernährungsstrategie sinnvoll sein als bei einer Frau mit geschwächter Mitte, Trockenheit und Erschöpfung.
Deshalb lautet die bessere Frage nicht:
„Was darf ich bei Akne nicht mehr essen?“
Sondern:
„Welche Ernährung unterstützt meine Haut und gleichzeitig meine gesamte Konstitution?“
Das ist nachhaltiger – und wesentlich individueller.
Hautpflege bei Erwachsenenakne: Mehr Wirkstoffe sind nicht automatisch besser
Gerade Frauen mit hormonell veränderter Haut geraten schnell in einen Kreislauf aus immer mehr aktiven Wirkstoffen.
Retinoid. Säure. Peeling. Reinigung. Serum. Maske.
Dabei kann die Hautbarriere zusätzlich belastet werden.
Bei erwachsener Haut sollte deshalb nicht nur die Unreinheit betrachtet werden.
Auch Feuchtigkeit, Barrierefunktion, Empfindlichkeit, Pigmentierung und die individuelle Verträglichkeit spielen eine Rolle.
Konsequenter UV-Schutz gehört ebenfalls zu einer intelligenten Hautstrategie.
Für mich bedeutet hochwertige Hautpflege deshalb nicht, möglichst viele Produkte zu verwenden.
High-End-Hautpflege ist präzise, individuell und reduziert auf das, was die Haut tatsächlich braucht.
Akne und Ageless TCM Ästhetik
Bei entzündlicher Akne gilt auch für Methoden der Ageless TCM Ästhetik:
Nicht jede Haut braucht zu jedem Zeitpunkt zusätzliche Stimulation.
Intensive Gesichtsmassagen, Gua Sha oder andere mechanische Reize gehören nicht unkritisch auf akut entzündete Haut.
Das Ziel sollte niemals sein, eine bereits gereizte Haut mit noch mehr Interventionen zu überfordern.
Ageless TCM Ästhetik bedeutet für mich vielmehr, zunächst zu erkennen:
Was braucht diese Haut jetzt?
Aktivierung?
Regulation?
Schutz?
Regeneration?
Oder schlicht Ruhe?
Die Qualität einer Behandlung zeigt sich nicht daran, wie viel gemacht wird.
Sondern daran, wie präzise ausgewählt wird.
Wenn Akne plötzlich neu auftritt
Neu auftretende oder ausgeprägte Akne im Erwachsenenalter sollte medizinisch beziehungsweise dermatologisch abgeklärt werden.
Das gilt insbesondere, wenn zusätzlich andere Veränderungen auftreten – beispielsweise deutlich vermehrte Körper- oder Gesichtsbehaarung, Haarausfall, ausgeprägte Zyklusveränderungen oder andere hormonelle Auffälligkeiten.
Denn hinter Akne können unterschiedliche medizinische Ursachen stehen.
Eine TCM-Betrachtung kann eine dermatologische oder gegebenenfalls gynäkologische beziehungsweise endokrinologische Diagnostik nicht ersetzen.
Ganzheitlichkeit bedeutet nicht, Schulmedizin auszuschließen.
Ganzheitlichkeit bedeutet für mich, sinnvoll zu verbinden.
Akne, Hormone und TCM in meiner Praxis in Hamburg
In meiner Praxis in Hamburg betrachte ich Hautveränderungen bei erwachsenen Frauen deshalb im Zusammenhang mit der jeweiligen Lebensphase.
Neben dem Hautbild interessieren mich aus Sicht der TCM unter anderem:
Zyklus und hormonelle Veränderungen, Verdauung, Schlaf, Stress, Ernährung, Wärme- und Kälteempfinden sowie Zungen- und Pulsbefund.
Besonders bei Frauen ab 40 treffen häufig mehrere Themen aufeinander:
Haut. Hormone. Perimenopause. Stress. Schlaf. Regeneration.
Diese Bereiche voneinander zu trennen, wird dem Menschen häufig nicht gerecht.
Genau hier liegt für mich die besondere Stärke einer individuellen TCM-Betrachtung.
Ageless Beauty beginnt mit dem Verständnis der eigenen Haut
Akne im Erwachsenenalter kann frustrierend sein.
Aber sie bedeutet nicht, dass die Haut plötzlich „schlecht“ geworden ist.
Sie verändert sich.
Und manchmal verändert sie sich genau deshalb, weil sich auch der gesamte Körper in einer neuen Lebensphase befindet.
Perimenopause und Wechseljahre sind keine Fortsetzung der Dreißiger mit etwas weniger Östrogen.
Der weibliche Organismus beginnt, seine Ressourcen und Prioritäten neu zu organisieren.
Für mich bedeutet Ageless Beauty deshalb nicht, jede Veränderung zu bekämpfen.
Es bedeutet, sie zu verstehen.
Und daraus eine neue Form von Hautpflege und Selbstfürsorge zu entwickeln, die zur Frau passt, die Du heute bist.
Nicht zu der Frau, die Du mit 25 warst.
Denn schöne Haut braucht nicht Perfektion.
Sie braucht Balance, Substanz, Regulation – und eine Strategie, die mit Dir wächst.
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Über Vivian Abena Ansuhenne
Vivian Abena Ansuhenne ist Heilpraktikerin und seit 1999 in eigener Praxis in Hamburg tätig. Ihre Schwerpunkte liegen auf Hormonen und Wechseljahren, Hautgesundheit und Ageless TCM Ästhetik. Sie ist Dozentin für Fachseminare der Chinesischen Medizin, Autorin mehrerer Blogs und Bücher sowie Entwicklerin von Heilpflanzen- und Vitalpilz-Mischungen.
*Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, dermatologische, gynäkologische oder endokrinologische Diagnose und Behandlung. Begriffe wie Hitze, Feuchtigkeit-Hitze, Leber-Qi-Stagnation, Blut-Mangel oder Yin-Mangel beschreiben traditionelle Muster der Chinesischen Medizin und sind nicht mit schulmedizinischen Diagnosen oder wissenschaftlich nachgewiesenen Ursachen von Akne gleichzusetzen. Neu auftretende, ausgeprägte oder anhaltende Hautveränderungen sollten medizinisch beziehungsweise dermatologisch abgeklärt werden.
